Flüchtlinge in Meßstetten

Als die baden-württembergische Landesregierung 2014 ankündigt, in einer Kaserne in Meßstetten – eine Kleinstadt auf der Schwäbischen Alb – Flüchtlinge unterbringen zu wollen, kippt die Stimmung im Netz: Schnell machen falsche Gerüchte die Runde, Hass breitet sich aus. Ziel der Wut, die selten aus Meßstetten, aber häufig aus ganz Deutschland kommt: beinahe täglich die Redaktion des Zollern-Alb-Kuriers, die größte Lokalzeitung vor Ort. 

Unsere Erfahrung

Die intensive Auseinandersetzung mit unseren Leserinnen und Lesern, mit unseren Kritikerinnen und Kritikern, hat dazu geführt, dass wir auf unseren Kanälen nach mehreren Monaten „unter Beschuss“ zu einer vernünftigen Debattenkultur zurückgefunden haben. Leserinnen und Leser begannen ihrerseits, unsere Arbeit zu erklären und zu verteidigen – manchmal sogar einst scharfe Kritiker. 

Was wir  gelernt haben

 
Redaktionen brauchen Strategien, um mit diesem Thema umzugehen.
 
Medienhäuser müssen vor allem junge Kolleginnen und Kollegen schützen.
 
Viele treue Leserinnen und Leser verstummen im Umfeld übler Shitstorms und kampagnenartiger „Hass-Wellen“.
 
Die persönliche wie öffentliche Auseinandersetzung mit (auch scharfer) Kritik lohnt häufig, eine offensive Moderation im Netz auch – nicht der Trolle, sondern der vielen stillen Mitleser wegen.
 
Zugleich sollten wir Kommentatoren, die erkennbar nur trollen, die nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehen oder uns gar drohen, ebenso offensiv die rote Karte zeigen.